Die Podcastfolge zum Nachlesen

Jeder Mensch hat eine unsichtbare Zone um sich herum, bis zu dieser er toleriert, dass Menschen ihm nahekommen. Wird diese Zone überschritten fühlen wir uns bedroht und bedrängt. Insbesondere sogenannte Crowding Situationen, wie ein überfüllter Bus oder ein enger Aufzug können bei manchen Menschen einen enormen Stress auslösen. Aber auch ein Kollege im Büro, der ungefragt unseren Arbeitsplatz vereinnahmt oder ein Gesprächspartner, der keinen Abstand hält, kann unsere persönliche Distanzzone empfindlich stören.
 
In dieser Podcastfolge bekommen Sie die wichtigsten Informationen zum Thema Distanzzonen. Zusätzlich gebe ich Ihnen fünf Tipps für die richtige Distanz im Alltag.

 

Was ist eine Distanzzone?

Nach dem amerikanischen Anthropologen Edward Hall unterscheiden wir vier Distanzzonen des Menschen.

  1. Die öffentliche Zone

Diese Zone ist für die meisten Menschen unproblematisch. Sie umfasst einen Umkreis von mehr als 3 Metern. In dieser Distanz befinden wir uns häufig in der Rolle des Zuschauers bei einem Vortrag. Wir fühlen uns nicht bedroht und nehmen die sensorischen Signale unserer Mitmenschen kaum noch wahr.

  1. Soziale Zone

Der Abstand zu anderen Menschen beträgt zwischen 1,2 m bis zu 3 m. Dies ist der Raum für eher neutrale Kontakte zu Menschen zum Beispiel beim Warten am Bahnsteig. In dieser Distanz fühlt sich niemand belästigt.

  1. Persönliche Zone

Der Abstand der persönlichen Zone beträgt ca. einen Meter und gilt als Normalfall im beruflichen Umfeld. Es ist die Distanz, die wir beim Begrüßen einhalten mit dem sogenannten Armlängen-Abstand. Dieser gilt auch als unsichtbare Grenze im Gespräch. Wir dulden unseren Gesprächspartner, ohne uns bedrängt zu fühlen.

  1. Intime Zone

Die intime Zone auch Intimsphäre genannt ist unsere engste Schutzzone. Sie beträgt einen halben Meter um uns herum. Dieser Bereich bleibt unseren engsten Freunden, der Familie und dem Partner vorbehalten. Diese Zone darf nur mit unserer Erlaubnis betreten werden. Respektieren Sie diese Zone auch bei anderen und entschuldigen Sie sich, wenn Sie merken, dass Sie jemandem zu nahe getreten sind. Eine Verletzung dieser Zone ist besonders unangenehm.

 
Einflussfaktoren der Distanzzonen

  • Kulturkreis

In nordeuropäischen Ländern geht man mehr auf Distanz als in südeuropäischen Ländern. Auch Lateinamerika und der arabische Raum zählen zu den Kontaktkulturen. Hier kommen sich die Menschen deutlich näher.

  • Hierarchie

Ihr Chef bestimmt, wie viel Nähe er zulässt. Er reicht Ihnen auch zuerst die Hand und erlaubt Ihnen damit einen Körperkontakt.

  • Persönlichkeitsstruktur

Unser Distanzverhalten unterliegt auch unseren individuellen Prägungen. Introvertierte Menschen benötigen zumeist eine größere Distanz um sich herum als extrovertierte Menschen.

  • Stimmung

Auch unsere Stimmung hat einen Einfluss auf unser Distanzverhalten. Eine positive Stimmung verkleinert in der Regel unser Schutzbedürfnis, während eine negative Stimmung es vergrößert.

  • Berufsgruppe

Gewisse Berufsgruppen dürfen uns aufgrund ihrer Tätigkeit zeitweise etwas näher kommen – zum Beispiel Ärzte, Physiotherapeuten, Friseure.

 

Wie finden Sie heraus, dass Sie jemandem zu nahe getreten sind?

Menschen senden typische Körpersignal aus, wenn Sie ein größeres Distanzbedürfnis signalisieren wollen. Zu den körperlichen Signalen zählen:

  • Verschränkte Arme
  • Beine überkreuzen
  • Ausweichen des Blickkontakts
  • Zurücktreten
  • Aggressives Auftreten
  • Verstummen
  • Gegenstände vor den Körper halten (z. Bsp. Handtasche)

 

Wie können Sie reagieren, wenn jemand Ihre Distanzzone verletzt?

Manchmal sind Distanzverletzungen kalkuliert, um jemanden einzuschüchtern, meistens aber nur eine harmlose Unachtsamkeit. Vielleicht hat Ihr Gegenüber einfach nur ein anderes Distanzempfinden.

Anstatt zurückzuweichen und damit das Nachrücken Ihres Gegenübers zu riskieren, drehen Sie sich einfach ein bisschen zur Seite.  Am Arbeitsplatz haben Sie auch die Möglichkeit, mit sogenannten Distanzverstärkern zu arbeiten. Schieben Sie einfach einen Aktenstapel zwischen sich und den aufdringlichen Kollegen.

Sollten Ihre körperlichen Signale nicht verstanden werden, weisen Sie höflich auf Ihr Distanzbedürfnis hin. Auch wenn Sie bereits genervt sind, bleiben Sie ruhig und freundlich.

 

Fünf Tipps für die richtige Distanz im Alltag

  1. Achten Sie bei der Begrüßung und im Gespräch auf eine angemessene Distanz. Eine Armlänge Abstand ist ein guter Maßstab.
  2. Berührungen, die über den üblichen Händedruck hinausgehen, sind bei Menschen, die Ihnen wenig vertraut sind tabu.
  3. Halten Sie mit Fremden nicht zu lange Blickkontakt. Das kann aufdringlich wirken.
  4. Beachten Sie im Büro das Distanzbedürfnis Ihrer Kollegen. Insbesondere Männer sollten darauf achten ihren weiblichen Kolleginnen nicht zu nahe zu kommen. Dies gilt übrigens auch verbal. Reden Sie Ihre Kollegin beispielsweise nicht mit „Schätzchen“ an.
  5. Respektieren Sie beruflich und privat das Territorium Ihrer Mitmenschen. Vereinnahmen Sie nicht den Schreibtisch eines Kollegen oder lesen in dessen Unterlagen. Öffnen Sie in Privathaushalten keine Schränke oder bedienen Sie sich ungefragt am Kühlschrank.

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